22.6.2006

Auf einem fremden Stern

Posted in Parkbank at 21:03 by Tokbela

Gestern war hier einiges los. Treue Leser meines Blogs (ja, euch beide meine ich!) wissen, dass gestern "der grosse Tag" war. Zum einen hielt ich meinen Vortrag ueber Microarrays und zum anderen ist Nicole ausgezogen. Aber der Reihe nach.

Nachdem ich bis Nachts um halb vier noch letzte Hand an die Praesentation (nein, nicht Powerpoint) gelegt hatte ("awaaaaah, die scheiss Videos klappen nicht und ein Handout muss ich ja auch noch machen"), schlief ich ein, um schlecht zu schlafen. Als ich dann so gegen – keine Ahnung wann, ich konnte die Uhr nicht lesen – halb neun aufwachte, standen Nicoles Eltern schon vor unserem Fenster und unterhielten sich. Kurze Zeit spaeter klingelte es, die Eltern kamen rein und machten sich erstmal ein Bild der Lage. Das war nicht wirklich einfach, da sich ueberall in unserem zwar breiten, aber nicht ausladenden Flur mannshoch Kisten stapelten.. Aber ich schweife ab, was ich eigentlich erzaehlen wollte, ist folgendes:

Es war schon seltsam, vormittags aus der voellig zugestellten Wohnung, in der Menschen hektisch umherwuselten, zu gehen, einen Vortrag zu halten (an dieser Stelle nochmal Dank an Joe, ohne den ich mein Handout wohl weiss-auf-weiss ausdrucken haette muessen) und kurze Zeit spaeter, also nach 40 Minuten Vortrag, von denen ich 45 Minuten am Stueck geredet habe (Danke an Frank, der mir seine Uhr geliehen hat und an Dat, dessen Maus mein Notebook zierte), wiederzukommen und die Wohnung bis auf einen Musik hoerenden strahlenden Raffi vollkommen leer und ruhig vorzufinden. 

Ich hatte nichtmal Zeit, meine Tasche auszupacken, da ging's auch schon los. Raffi zog mich durch die Raeume und wir fuehrten eine Lagebesprechung durch. Dass wir alles (bis auf Nicoles und unser Zimmer) ausraeumen und gruendlich putzen muessen wuerden, war schon klar, nur die Reihenfolge fehlte. Raffi einigte uns darauf, erst das Bad in Angriff zu nehmen, und so zogen wir los, um Putzlappen, -mittel und einen Schrubber zu kaufen. Das war um halb drei (bitte merken).

[..]

Nachdem wir uns ueber Duschsteine gewundert und Klosteine geaergert hatten war das Bad blitzeblank und die erste Muelltuete voll. Dann kam der Flur an die Reihe und unter den Schrubber, was nicht allzu lange dauerte. Anschliessend stand uns das bevor, auf das ich mich von Anfang an gefreut hatte: die Abstellkammer. Das ist ein Raum neben der Kueche, in dem ein Regal voller Vorraete und Krempel, ein Kuehlschrank voller Vorraete und Krempel und ein Boden voller Vorraete und Krempel stand. 

Bild 004s.jpg Alles raus, und dann die Guten ins Toepfchen (Kammer) und die Schlechten ins Kroepfchen (Muell). Da wir zwischenzeitlich schonmal gespuelt und uns beim darauffolgenden Wasserrauslassen ueber einen offenen Abwasseranschluss (man nehme eine Waschmaschine und dichte damit ab), der beinahe die halbe Kueche unter Wasser gesetzt haette, geaergert hatten, war es ein wirklicher Lichtblick, als wir inmitten des Krempels das dazu passende Abwasseranschlussabschlusshuetchen fanden. Einen Lichtblick ganz anderer Art erlebten ein paar Kartoffeln (die Guten vom heimischen Feld) und Moehren (Supermarktware im Kuehlschrank), als wir ihre entschlossen hochstrebenden Keimlinge (auf deren Laenge so mancher Mann stolz gewesen waere) packten und sie daran zum Muell trugen.

Bild 001s.jpg Zwischenstand: 6 Tueten Muell, ein nicht mehr zu gebrauchender Lappen und zwei erschoepfte Menschen. Aber die Kueche lag noch vor uns, also keine Muedigkeit vorschuetzen (was nach einer Viertelstunde im-Sessel-liegen auch klappte) und ran ans Werk. 

Der Rest der Kueche war kein grosses Problem und sogar sehr lehrreich, weil ich jetzt den ultimativen Abflussgeruchsbeseitiger gefunden habe: QddK. QddK ist eine Abkuerzung fuer Quer durch den Kuehlschrank und beinhaltet (in meinem Fall) :

  • Ein Schluck Abflussreiniger, mit dem ich ein haarverklumptes Haarauffangteil gereinigt habe (man lege es in ein Glas, kippe das geile Zeug aus der orangenen Flasche drueber und warte eine halbe Stunde)
  • Bild 003s.jpg Eine halbe Flasche asiatischer Essig
  • Eine halbe Flasche koreanisches alkoholisches Getraenk
  • Eine halbe Flasche Sojasauce
  • Eine ganze Flasche Leinoel
  • Eine halbe Flasche Walnussoel
  • Eine ganze Flasche Wodka pur
  • Eine halbe Flasche Wodka rot
  • Drei halbe Flaschen Salatdressing
  • Eine viertel Flasche Wein
  • Eine halbe Flasche Ketchup
  • noch eine halbe Flasche $Irgendeineasiatischesauce
  • Etwas heisses Wasser

Bild 006s.jpg Ich weiss nicht, woran genau es lag, aber danach mueffelte unser Abfluss nicht mehr im geringsten. Auch finde ich es gut, dass es sich trotz einiger Chemievorlesungen meinem Kenntnisbereich entzieht, welche Reaktionen dieses Gemisch ausgeloest hat.

Nach getaner Arbeit (inzwischen war es 21 Uhr) konnten Raffi und ich kaum noch stehen, geschweige denn laufen. Was lag da naeher, als erstmal den Lappen wegzuwerfen und dann einkaufen zu gehen? Genau.

Nachdem wir dann aber bei unserem Lieblingsladen (der mit Weltmeisteroeffnungszeiten bis 22 Uhr warb) vor verschlossenen Tueren standen, haben wir einen Abstecher zum besten Chinesen in ganz Halle (unserem Heim-, Hof- und Nachbarchinesen) gemacht, da Abendbrot geholt und uns damit, einem guten Film und viel Eis ins Bett gekuschelt.

Heute, also bereits am naechsten Tag, sehe ich, wie sehr sich die ganze Plackerei gelohnt hat. Zwar fehlt uns nach dem eben gemeisterten Gang in die Stadt noch ein Toaster und eine Waschmaschine (die aber schon ausgesucht ist) und die Kuechenwaende sehen noch recht kahl aus, aber wir koennen hier in den bequemsten Sesseln der Welt (glaubt ihr nicht? Kommt her und probiert es aus!) sitzen, den Strassenlaerm vergessen, den Voegeln in unserem Hinterhof lauschen und die Welt Welt sein lassen. 

Und um Bilder kuemmere ich mich eh demnaechst, dann wird's in der Kueche und im Blog bunt! 

Dass das Bluetooth-Netzwerk von hier aus durch drei Waende bis ins Schlafzimmer reicht und also auch bei getrennten Rechnern beide ins Internet koennen ist ein weiterer Pluspunkt.

Jetzt geh ich duschen und einen weiteren Film schauen, auch wenn ich mich garnicht aufraffen kann, mich aus dem Sessel zu schaelen. 

PS: die seltsamen Zahlen stammen uebrigens aus der.. nein, sag ich nicht, koennt ihr selbst drauf kommen!

One Response to “Auf einem fremden Stern”

  1. Rafayel Says:

    Noch eine Anmerkung meinerseits zu dem Muellbild: Darauf nicht zu sehen, aber dennoch fachgerecht entsorgt wurden zwei zusaetzliche Beutel Hausmuell (wie alle anderen auch jeweils 50l), ein Beutel “Gelber Sack/Punkt”, zwei Tueten voll Glasmuell und soviel Papiermuell, dass ich allein dafuer fuenfmal in den Keller laufen musste.

    Ich bin ein Fan von Recycling, jawohl.

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