{"id":703,"date":"2006-10-19T20:56:20","date_gmt":"2006-10-19T18:56:20","guid":{"rendered":"http:\/\/blog.tokbela.de\/2006\/10\/19\/703\/"},"modified":"2006-10-20T11:38:37","modified_gmt":"2006-10-20T09:38:37","slug":"24h-fuer-einen-job","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.tokbela.de\/?p=703","title":{"rendered":"24h fuer einen Job"},"content":{"rendered":"<p><strong>Mittwoch, 18.10.2006.<\/strong><\/p>\n<p><em>6:45 Uhr<\/em><br \/> Es ist ziemlich schlecht, beim Ankleiden feststellen zu muessen, dass der einzige Anzug, den man besitzt, in den letzten Jahren deutlich geschrumpft sein muss. Vom eigentlichen Bewerbungsoutfit blieben noch das Hemd, die Socken und die Schuhe. Aber ich will ja programmieren und keine Versicherungen verkaufen.<\/p>\n<p><em>7:00 Uhr<\/em><br \/> Raffi verlaesst das Haus in Richtung Karlsruhe. Naja, eigentlich in Richtung Steintor unten an der Ecke, aber die Tendenz stimmt schon mal.<\/p>\n<p><em>7:05 Uhr<\/em><br \/> Das Steintor ist noch nicht erreicht, aber meine Schuhe moechte ich trotzdem schon rituell vom Bus ueberfahren lassen. Dann wuerden die naemlich merken, was es bedeutet, flexibel zu sein. Zumindest meine Socken scheinen dem Schrumpftrend (noch) widerstehen zu koennen.<\/p>\n<p><em>8:00 Uhr<br \/> <\/em>Abfahrt vom Hauptbahnhof hier in Halle &#8211; nachdem ich eine halbe Stunde im Zeitungsladen vertroedelt habe, denn ich war mal wieder viel zu frueh da.<\/p>\n<p><em>13:00 Uhr<br \/> <\/em>Ankunft am Hauptbahnhof von Karlsruhe, ihres Zeichens Lieblingsstadt von Raffi. Zum einen ist dort der Sitz des Bundesverfassungsgerichts (dessen Urteile ich in den meisten der von mir registrierten Faelle sehr begruesse) und zum anderen wohnt dort Quyo, mein Mietserver. Nach einer durch die Stadt gehumpelten Stunde erreichte ich mein Ziel: Ein modernes Eckbuerogebaeude. Tja, blieb noch eine Stunde Wartezeit bis zum Termin, denn ich war mal wieder viel zu frueh da.<\/p>\n<p><em>14:45 Uhr<\/em><br \/> Eine dreiviertel Stunde auf einer Parkbank sitzen, einem Springbrunnen zuschauen und nachdenken, was wohl in den naechsten Minuten und Stunden geschehen wird, erledigt auch den letzten Rest von Ruhe und Ausgeglichenheit in einem. Die fuenf Stunden Zugfahrt ohne Ablenkung und Beschaeftigung davor trugen natuerlich ihren Teil dazu bei. Zum Glueck koennen die Schuhe mich nur piesacken, wenn ich darin rumlaufe. Parkbaenke sind toll.<\/p>\n<p><em>14:55 Uhr<\/em><br \/> Ich druecke auf die Klingel &#8211; auch wenn ich wieder viel zu frueh da bin.<\/p>\n<p><em>15:45 Uhr<\/em><br \/> Die Zeit des Redens ist vorbei, nun kommt die Zeit des Handelns: Der Bewerbungstest. Zum Glueck mit freiem Zugang zum Internet. Zum Schluss habe ich ernsthaft ueberlegt, ein paar Nachrichten bei heise online zu lesen. Sonst sammeln sich wieder soviele an, die ich in schwerster Nachtarbeit aufholen muss.<\/p>\n<p><em>18:30 Uhr<\/em><br \/> Test und Auswertung vorbei. Selbst die integrierte, pruefungsaehnliche Befragung zu verschiedensten Themen ist problemlos ueberstanden. Ich will nach Hause.<\/p>\n<p><em>19:15 Uhr<\/em><br \/> Hat die Frau da am DB-Service-Schalter gerade gesagt, heute faehrt kein Zug mehr nach Halle? Die macht Witze! Hoffentlich.<\/p>\n<p><em>19:20 Uhr<\/em><br \/> Nein, kein Witz. Meine Fahrkarte bestaetigt es: Abfahrt halb zwoelf, Ankunft gegen sieben Uhr morgen frueh. Schlaf wird ueberbewertet.<\/p>\n<p><em>23:00 Uhr<\/em><br \/> Dank neuem Buch und Milchshake ist die Wartezeit fast ueberbrueckt. Tschues Quyo &#8211; Halle, ich komme.<\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 19.10.2006.<\/strong><\/p>\n<p><em>0:00 Uhr<\/em><br \/> Diese CityNightLine gefaellt mir nicht: Unbequeme Sitze (nach dem Tag ist alles unbequem, was nicht mind. 30cm einsackt) und laut schnarchende Menschen. Die lautesten Exemplare direkt neben mir. Sagte ich bereits, dass ich nach Hause will?<\/p>\n<p><em>1:30 Uhr<\/em><br \/> Toll, Zapfenstreich. Und weil die jetzt das Licht ausgemacht haben, kann ich nicht mehr weiterlesen. Nur noch knapp fuenf Stunden bis zum Umsteigen.<\/p>\n<p><em>3:30 Uhr<\/em><br \/> Alles schlaeft, ausser mir natuerlich. Ich ueberlege, aus Langeweile mal das Klo zu besuchen. Entscheide mich wegen Faulheit jedoch dagegen.<\/p>\n<p><em>4:00 Uhr<\/em><br \/> Alles schmerzt. Ruecken, Arme und Beine sind total verspannt. Nur meine Fuesse geben mal Ruhe, weil sie seit einigen Stunden nicht in den Schuhen leben muessen. Vielleicht sollte ich einfach laut &#39;Guten Morgen!&#39; bruellen, das wuerde mich von diesen Problemen sicher ablenken.<\/p>\n<p><em>5:00 Uhr<\/em><br \/> Ich habe darauf gewartet, aber es ging schneller als ich dachte: Das erste Handy moechte Wecker spielen und piepst los. Dumm nur, dass sein Besitzer nicht in der Naehe ist.<\/p>\n<p><em>5:01 Uhr<\/em><br \/> Handy verstummt ohne Fremdeinwirkung.<\/p>\n<p><em>5:06 Uhr<\/em><br \/> Fuenf Minuten Pause sind um, also erneutes Weckpiepen vom Telefonknirps. Seltsamerweise wacht niemand auf und beschwert sich darueber. Nur ab und zu unfreundliche Blicke.<\/p>\n<p><em>5:45 Uhr<\/em><br \/> Mr. Handywecker kommt und bereitet dem Wechselspiel (1min Piepsen, 5min Pause) ein Ende. Ich rechne mit Applaus oder faulem Obst, aber die Meute ist anscheinend zu muede.<\/p>\n<p><em>6:10 Uhr<\/em><br \/> In zwei Minuten soll ich laut Fahrplan umsteigen, wieso weckt mich niemand? Nicht dass es noetig waere, ich habe keine Sekunde geschlafen. Aber fuer den Service immerhin bezahlt.<\/p>\n<p><em>6:15 Uhr<\/em><br \/> Zug haelt und nach dem Oeffnen der Tueren kann ich auch erkennen, wo: Weimar &#8211; 30 Minuten von meinem Umsteigebahnhof entfernt. Ich wollte mich schon dem Schicksal ergeben, als die Durchsage am Bahnsteig was von Regionalbahn und Halle faselt. Raus hier, ich will nicht mehr laenger in diesem Zug bleiben, selbst die Nachtfahrt damals mit der Bundeswehr war gemuetlicher, erholsamer und ruhiger.<\/p>\n<p><em>6:20 Uhr<\/em><br \/> Regionalbahn nach Halle faehrt ein. Murphy macht mal &#39;ne Pause. Ich tagtraeume mittlerweile von einer Dusche und meinem Bett.<\/p>\n<p><em>7:30 Uhr<\/em><br \/> Ankunft in Halle. Ich warte darauf, dass meine Fuesse endlich absterben, damit der Schmerz aussetzt. Nur noch zur Strassenbahnhaltestelle und dann vom Steintor den Berg hoch. Prima Aussichten.<\/p>\n<p><em>8:00 Uhr<\/em><br \/> Geschafft, ich hoere noch eine Weile Tok zu, waehrend sie von ihren Erlebnissen allein zu Hause erzaehlt, dann schlafen wir ein. 12 Uhr wird uns das Handy wecken.<\/p>\n<p>(Ja, eigentlich sind es 25 Stunden. Aber man muss noch die Zeitverschiebung einbeziehen, ihr wisst doch, in 80 Tagen um die Welt und so.)&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mittwoch, 18.10.2006. 6:45 Uhr Es ist ziemlich schlecht, beim Ankleiden feststellen zu muessen, dass der einzige Anzug, den man besitzt, in den letzten Jahren deutlich geschrumpft sein muss. Vom eigentlichen Bewerbungsoutfit blieben noch das Hemd, die Socken und die Schuhe. 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